Refurnable überführt wissenschaftlich belegte Erkenntnisse zu modularen Möbeln und Additiver Fertigung in eine reale Marke – kreislauffähig, werkzeuglos montierbar und für alle erlebbar.
Der Earth Overshoot Day macht es sichtbar: Die Menschheit verbraucht jährlich mehr Ressourcen als die Erde regenerieren kann – und dieser Tag verschiebt sich seit den 1970ern immer früher ins Jahr.
Die Möbelindustrie ist Teil des Problems. Immer kürzere Produktlebenszyklen, günstige Wegwerfmöbel und keine Reparaturlösungen: Fast Furniture ist das neue Fast Fashion.
Allein in der EU fallen jährlich rund 11 Millionen Tonnen Möbelabfall an – verbrannt oder deponiert, kaum recycelt. Deutschland trägt dabei die größte Last aller EU-Länder.
Quelle: European Environmental Bureau – Circular Economy Opportunities in the Furniture Sector (abgerufen am 01.06.2026)
Zwei wissenschaftliche Konzepte bilden das Fundament von Refurnable – und erklären, warum zirkuläres Design mehr ist als ein Trend.
„Von der Wiege zur Wiege" – ein Designprinzip, das Abfall als Fehler im System betrachtet, nicht als Unvermeidbarkeit. Jedes Material soll so gestaltet sein, dass es vollständig in einen neuen Kreislauf zurückfließt.
Braungart & McDonough beschreiben die lineare Wirtschaft als „Cradle to Grave" – Ressourcen werden verbraucht und entsorgt. Ihr Gegenentwurf: alle Materialien zirkulieren dauerhaft in geschlossenen Kreisläufen. Der Schlüsselsatz lautet: „Abfall ist Nahrung." Was für ein System Abfall ist, ist Rohstoff für ein anderes.
C2C unterscheidet zwei Kreisläufe: Der biologische Metabolismus umfasst natürliche Materialien wie Holz, die sicher kompostiert werden können. Der technische Metabolismus umfasst Metalle und Kunststoffe, die dauerhaft in hoher Qualität im Umlauf bleiben. Die strikte Trennung beider Kreisläufe ist Grundvoraussetzung – genau das, was Refurnable durch werkzeuglose Demontage erreicht.
C2C kritisiert den Fokus auf Effizienz: „Weniger schlecht sein ist nicht gut sein." Statt Ressourcenverbrauch nur zu reduzieren, fordert das Konzept Öko-Effektivität – Produkte so zu gestalten, dass sie positiv auf Ökosysteme wirken. Design for Disassembly ist dabei ein konkretes Konstruktionsprinzip.
Refurnable setzt C2C direkt um: Aluminium-Quadratrohr und PLA/PETG bleiben im technischen Kreislauf, FSC-Holzplatten im biologischen Kreislauf. Die drei Materialien sind werkzeuglos trennbar – das ist die konstruktive Grundvoraussetzung für saubere Kreislaufführung.
Die 9R-Hierarchie ordnet Kreislaufstrategien nach ihrem Wert: Je kleiner das R, desto wertvoller – weil mehr vom ursprünglichen Produkt, Material und Energie erhalten bleibt. ✓ Refurnable markiert direkt umgesetzte Strategien.
Das Produkt oder seine Funktion wird überflüssig gemacht – höchste Strategie, kein Material verbraucht. Refurnable adressiert diese Strategie indirekt: Möbel, die reparierbar und anpassbar sind, müssen nicht neu gekauft werden.
Das Produkt wird intensiver oder gemeinsam genutzt – Sharing-Modelle, Multifunktionalität. Das modulare System erlaubt verschiedene Konfigurationen mit denselben Bauteilen und erhöht so die Nutzungsintensität.
Weniger Material und Energie bei Herstellung und Nutzung. Additive Fertigung der 3D-Verbinder minimiert Materialverschnitt gegenüber subtraktiven Verfahren erheblich – nur so viel Material wie nötig.
Das Produkt wird von einem anderen Nutzer in unverändertem Zustand weiterverwendet. Die werkzeuglose Demontage ermöglicht vollständige Neukonfiguration und Weitergabe ohne Qualitätsverlust.
Defekte Teile werden ersetzt oder instand gesetzt. Alle Einzelteile sind zugänglich und ersetzbar – ein gebrochener Verbinder lässt sich direkt nachdrucken, ohne das gesamte Möbel zu ersetzen.
Das Produkt wird auf aktuellen Stand gebracht. Durch standardisierte Verbindungspunkte können Module ausgetauscht oder ergänzt werden – das Möbel bleibt dauerhaft zeitgemäß und erweiterbar.
Aus alten Komponenten werden neue Produkte gleicher Qualität hergestellt. 3D-gedruckte Verbinder können aus recyceltem PLA-Filament gefertigt werden – dezentral, auf Abruf, ohne Lagerhaltung.
Produkt oder Komponenten werden für eine andere Funktion genutzt (Kaskadennutzung). Aluminium-Rohre und Holzplatten können nach dem Möbelleben in anderen Konstruktionen weiterverwendet werden.
Material wird zu neuem Rohstoff verarbeitet. Aluminium lässt sich zu 100 % einschmelzen, PLA/PETG schreddern und zu neuem Filament verarbeiten, FSC-Holz wird kompostiert. Die sortenreine Trennbarkeit macht dies erst möglich.
Refurnable entwickelt Möbel, die von Anfang an für ihr Lebensende gedacht sind. Das Herzstück: 3D-gedruckte Verbindungselemente, die Aluminium-Quadratrohr und Holzplatten werkzeuglos zu einem modularen System verbinden.
Das Ergebnis ist ein Sideboard, das sich in Minuten zerlegen, in seine drei Materialien trennen und beliebig neu konfigurieren lässt. Entwickelt über iteratives Rapid Prototyping und eingebettet in das Design Science Research-Rahmenwerk nach Peffers et al. (2007).
Refurnable zeigt: Kreislauffähigkeit und Alltagstauglichkeit schließen sich nicht aus.
Alle Verbindungen lassen sich ohne Schrauben, Leim oder Werkzeug lösen und wiederherstellen.
Stahl, Holz und Kunststoff vollständig separierbar – Grundvoraussetzung für echte Kreislauffähigkeit.
Standardisierte Verbindungspunkte machen jedes Modul kompatibel. Das Möbel wächst mit.
Die Verbinder lassen sich lokal mit jedem FDM-3D-Drucker fertigen – minimale Logistik.
Standardisierte Rohre als tragendes Grundgestell. Sortenrein recyclebar, langlebig und regional verfügbar.
FSC-zertifiziertes Holz als biologischer Rohstoff – vollständig trennbar von der Tragstruktur und kompostierbar.
Additiv gefertigte Kunststoffverbinder verbinden Stahl und Holz werkzeuglos. Biobasiertes PLA bevorzugt.
Die Masterarbeit evaluierte den Refurnable-Prototyp in einer vergleichenden Nutzwertanalyse gegen IKEA KALLAX und USM Haller – abgeleitet aus der CE-Fachliteratur, gewichtet nach den 9R-Strategien.
Bewertungsskala 1–10 · 8 von 10 Kriterien bewertet (2 mangels empirischer Daten ausgeschlossen) · Quelle: Jonas Behr · „Circular Economy im Möbelbau: Entwicklung und Evaluation eines modularen Prototyps mit additiv gefertigten Verbindungselementen." · Hochschule Coburg · Januar 2026
| Kriterium | Gewicht gesamt (%) |
IKEA KALLAX | USM Haller | Prototyp | |||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | Nutzwert | Punkte | Nutzwert | Punkte | Nutzwert | ||
Wahrgenommene Wertigkeit und Ästhetische Langlebigkeit konnten mangels empirischer Daten nicht bewertet werden (N.b.) und werden mit 0 dargestellt. Quelle: Jonas Behr · „Circular Economy im Möbelbau: Entwicklung und Evaluation eines modularen Prototyps mit additiv gefertigten Verbindungselementen." · Hochschule Coburg · Januar 2026, Abbildung NWA.
Die Vergleichsalternativen IKEA KALLAX und USM Haller wurden bewusst so ausgewählt, dass sie sich sinnvoll voneinander unterscheiden lassen, aber dennoch vergleichbar bleiben. Die 3D-gedruckten Verbinder weisen gegenüber konventionellen Schraubverbindungen eine geringere funktionale Robustheit auf. Zirkuläres Design ist ein multidimensionales Optimierungsproblem – die Stärken bei Demontage, Zirkularität und Individualisierung überwiegen in beiden Szenarien. Die Kriterien Wahrgenommene Wertigkeit und Ästhetische Langlebigkeit konnten aufgrund fehlender empirischer Daten nicht bewertet werden und flossen nicht in die Nutzwertanalyse ein. Quelle: Jonas Behr, Masterarbeit Zukunftsdesign, Hochschule Coburg, Tabellen 15 & 17.
Vier zentrale Erkenntnisse – methodisch fundiert durch Design Science Research und eine vergleichende Nutzwertanalyse auf Basis des 9R-Rahmenwerks nach Potting et al. (2017).
Der Refurnable-Prototyp erzielte gegen IKEA KALLAX (5,25) und USM Haller (6,25) die höchste Gesamtbewertung (7,50) – besonders bei Zirkularität, Wartungsautonomie und Demontage.
Durch schichtweisen Materialauftrag entsteht weniger Verschnitt. Dezentrale Produktion auf Abruf minimiert Lager- und Transportaufwand erheblich.
Nur wenn technischer und biologischer Kreislauf konsequent getrennt bleiben, entstehen echte geschlossene Kreisläufe. Gemischte Verbindungen verhindern echtes Recycling.
Es gibt kein lineares Optimum: Robustheit, Demontierbarkeit und Materialwahl stehen in Wechselwirkung. Refurnable trifft bewusste Abwägungen zugunsten von Kreislauffähigkeit.
Die Additive Fertigung stellt eine Schlüsseltechnologie für die Circular Economy dar. Das entwickelte Konzept bietet einen technologischen Ansatz, um durch intelligente Produktgestaltung geschlossene Kreisläufe zu schaffen, die eine Entkopplung des Ressourcenverbrauchs vom Wirtschaftswachstum ermöglichen.— Jonas Behr · „Circular Economy im Möbelbau: Entwicklung und Evaluation eines modularen Prototyps mit additiv gefertigten Verbindungselementen." · Hochschule Coburg · Januar 2026
Das Prinzip der Circular Economy nach Ellen MacArthur Foundation: Materialien zirkulieren entweder im technischen Kreislauf (Metalle, Kunststoffe) oder im biologischen Kreislauf (natürliche Rohstoffe) – niemals als Abfall.
Refurnable setzt dieses Prinzip direkt um. Stahl und Kunststoff kehren in den technischen, Holz in den biologischen Kreislauf zurück. Die werkzeuglose Trennung ist dafür die bauliche Grundvoraussetzung.
Hover über die Materialien im Diagramm, um die Kreisläufe zu erkunden.
Technischer Kreislauf (4 Loops): Wartung → Wiederverwenden → Renovieren → Recyceln. Aluminium und PLA/PETG bleiben im technischen Kreislauf – von der Reparatur bis zum Werkstoffrecycling.
Biologischer Kreislauf (3 Loops): Kaskaden → Kompostierung → Biosphäre. FSC-Holz wird kaskadenförmig weitergenutzt, kompostiert und kehrt als Nährstoff in die Forstwirtschaft zurück.
Transparente Materialien und nachvollziehbarer Aufbau stärken die emotionale Bindung an das Produkt.
Individualisierungsmöglichkeiten stärken die psychologische Langlebigkeit und reduzieren Wegwerfmentalität.
Alle Einzelteile sind zugänglich und ersetzbar. Kein Möbelstück wird weggeworfen, weil ein Teil defekt ist.
Module können erweitert und an neue Bedürfnisse angepasst werden – das Möbel wächst mit.
Einheitliche Verbindungspunkte machen alle Elemente kombinierbar und austauschbar.
Komponenten können nach dem ersten Lebenszyklus in neuen Kontexten und Konfigurationen weitergenutzt werden.
Werkzeuglose Montage und sortenreine Trennung aller Komponenten durch 3D-gedruckte Verbinder.
Biobasierte Rohstoffe, die sicher und vollständig in den natürlichen Kreislauf zurückfließen.
Sortenrein trennbare Materialien ermöglichen vollständiges Recycling und Wiedereinsatz im technischen Kreislauf.
Additive Fertigung ermöglicht dezentrale Produktion auf Abruf und minimiert Materialverbrauch und Logistik.
Schichtweiser Materialauftrag beim 3D-Druck und modularer Aufbau reduzieren Materialverbrauch und Verschnitt.
Einsatz von Sekundärrohstoffen und recycelten Kunststoffen als Filament schließt den Materialkreislauf.
Refurnable – Ein Projekt aus dem Studiengang Zukunftsdesign der Hochschule Coburg
Erste Überlegungen zur Projektidee
Circular Economy im Möbelbau
Erster Prototyp und Evaluation
Förderung durch Innovations- und Transferfond der Hochschule Coburg
Interaktive Wissensplattform mit Forschungsergebnissen
Projektausstellung bei den Coburger Designtagen
Erste CE-Möbelkollektion mit 3D-gedruckten Verbindern
Präsentation der Projektergebnisse
Master Zukunftsdesign, Hochschule Coburg. Seine Masterarbeit zu modularen Möbelsystemen und Additiver Fertigung bildet die wissenschaftliche Grundlage von Refurnable.
Jonas Behr: „Circular Economy im Möbelbau: Entwicklung und Evaluation eines modularen Prototyps mit additiv gefertigten Verbindungselementen." — Masterarbeit, Hochschule Coburg, Studiengang Zukunftsdesign, Januar 2026. Methodik: Design Science Research · Nutzwertanalyse · 9R-Rahmenwerk nach Potting et al. (2017).
Refurnable ist eine Ausgründung aus der Hochschule Coburg. Der Wissenstransfer erfolgt durch die unmittelbare Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in eine reale Marktanwendung – verbunden mit öffentlicher Wissensvermittlung über den digitalen Showroom und Ausstellungsformate.
Ob als Interessent, Kooperationspartner, Hochschule oder Makerspace – wir freuen uns über jede Nachricht. Refurnable ist ein offenes Projekt und lebt vom Austausch.
Oder direkt: info@refurnable.de